WM 2014 in Brasilien – Finanzielle Ausbeute oder Imageaufwertung? | euronews

Die Brasilianer kritisieren schon lange, wieviel Geld die Regierung im Vorfeld der Fußball-WM ausgibt: Von umgerechnet elf Milliarden Euro ist die Rede. Noch bevor es zum ersten Anpfiff kommt, gingen die Menschen zu Tausenden auf die Straße: Proteste gegen erhöhte Fahrpreise richteten sich schnell auch gegen die Regierung.

euronews hat Menschen im größten Elendsviertel Brasiliens getroffen: 70.000 leben in Rocinha: Eine Einwohnerin meint, “das größte Problem sind Korruption und fehlende Bürgerrechte. Regnet es, verlieren manche Menschen ihr Haus – trotzdem dreht sich alles nur um die WM.”

Eine andere Brasilianerin ergänzt, “die Gesundheitsversorgung und die Schulen sind schlecht. Brasilien ist noch nicht bereit für die Weltmeisterschaft. Der öffentliche Nahverkehr wird immer miserabler.” “Jetzt wollen sie die Wahrheit verschleiern und so tun, als ob alles auf dem besten Weg sei – alles Lüge,” beklagt eine andere Frau in Rocinha.

Der Stein des Anstoßes: Die mit öffentlichen Geldern gebauten zwölf neuen Stadien sollen nach dem World Cup 2014 in private Hand wechseln.
Außerdem hapert es noch an der Infrastruktur und dem öffentlichen Nahverkehr, beides sollte mit Steuergeldern verbessert werden. Für die Menschen ist jedoch alles beim alten geblieben.

Der frühere Weltmeister und derzeitige Abgeordnete Romário kritisiert, “Gesundheitswesen und Bildung sind noch immer nicht auf gleicher Augenhöhe wie die Wirtschaftsleistung. Als die Regierung die WM 2007 angekündigte, sagte sie klar, 90 Prozent der Ausgaben würden von privaten Unternehmen und zehn Prozent von der Bevölkerung bezahlt. Jetzt sehen wir jedoch, dass alle Ausgaben über öffentliche Gelder gedeckt werden.”

Um die WM auszutragen, hat Brasilien den Weltfußballverband davon befreit, 194 Millionen Euro Steuergelder zu zahlen. Fünf Jahre lang kann die FIFA Produkte importieren und in Brasilien verkaufen sowie Ausländer anstellen, ohne dass diese Steuern im Land zahlen müssen. Finanzielle Ausfälle, die jedoch das neue Stadion in Fortalezy hätten finanzieren können.

Romário gibt zu bedenken, “in den Augen der FIFA und der Welt ist es eine Ehre, wenn Brasilien die WM austrägt. Leider haben brasilianische Politiker dem Weltfußballverband zuviele Zugeständnisse gemacht, denn sie denken, die FIFA tut ihnen einen Gefallen. Die FIFA kam hier hin, ohne einen Euro locker zu machen. Wenn sie von hier verschwindet, wird sie mindestens eine Milliarde Euro Gewinn gemacht haben.”

Ricardo Trade sieht das anders. Trade ist der FIFA-Verantwortliche vor Ort – und einer der am meisten gehassten Männer im Land. Seiner Meinung nach werden die Brasilianer aus der Fußball-WM einen Gewinn ziehen. “Ohne die Weltmeisterschaft würde Brasilien wahrscheinlich für die nächsten 20 Jahre auf eine verbesserte Infrastruktur warten. Die Menschen werden die Verbesserungen schon noch wahrnehmen. Die Regierung hat bisher ihren Zeitplan für die Weltmeisterschaft eingehalten. Heutzutage ist eine WM eine Imageaufbesserung.

Momentan kommen jährlich weniger Touristen nach ganz Brasilien als in die Stadt Paris. Wenn wir die Qualität unserer Flughäfen, die öffentlichen Verkehrsmittel, Hotels und Restaurants verbessern, bin ich mir sicher, dass die Menschen mit ihren Familien wiederkommen werden – wie es auch in Südafrika geschehen ist. Dort machen heutzutage viele Menschen Urlaub. Vorher wäre das vielleicht undenkbar gewesen. Ich glaube, Touristen helfen der Wirtschaft unseres Landes, denn wir sind sehr gut auf dem Dienstleistungssektor. Die Menschen werden sehen: Die WM sorgt für Arbeitsplätze, verbessert die Infrastruktur und die Versorgung unseres Landes.”

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